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Dienstleistung: Krieg
Der Militärstandort Koblenz


2000 Jahre "Standort" Koblenz

Die Stadt Koblenz hat eine über 2000jährige Militärgeschichte: Bereits die römischen Legionen sahen in der Flussmündung eine strategisch wichige Stelle, die sie mit Palisadenzäunen zu einem Kastell (Heerlager) befestigten. Das "castrum ad confluentes" am Zusammenfluss der beiden antiken Verkehrsströme wurde ein regional wichtiger Teil des römischen Grenzwalls Limes, der sich vom Niederrhein bis zum Schwarzen Meer quer durch Europa zog. Seit dem 4. Jahrhundert und im Mittelalter war das um das Römerlager herum entstande Städtchen Confluentes mit einer steinernen Stadtmauer umzogen.

Der Kurfürst und Erzbischof von Trier, Klemens Wenzeslaus, liess sich im 18.Jahrhundert ausserhalb der alten Stadtmauern ein klassizistisches Schloss errichten. Als Onkel der bourbonischen Prinzen bot er dem ab 1789 vor der bürgerlichen Revolution geflüchteten französischen Adel samt Exilregierung in Koblenz Unterschlupf. Doch mussten er und die geflüchteten Konterrevolutionäre ("hommes de Coblence") nach einem vergeblichen Angriff des Koblenzer Emigrantenheeres gegen Frankreich vor den anrückenden "Revolutionstruppen" erneut flüchten. Schliesslich überquerten 1794 Napoleons Truppen bei Koblenz den Rhein, um gegen die preussisch-russische Adelsherrschaft zu kämpfen - wovon in Lützel noch ein fast vergessenes Denkmal berichtet. Doch die französische Armee wurde in der "Völkerschlacht" bei Leipzig 1813 besiegt.

Der in Koblenz geborene Klemens Lothar Fürst von Metternich (Beilstein), adeliges Patenkind des Trierer Kurfürsten, erreichte schließlich 1815 als österreichischer Staatskanzler im 'Wiener Kongress', dass das französische Rheinland ('Departement Rhin et Moselle') an Preussen abgetreten werden musste.

Während dieses deutschen "Befreiungskrieges" war Koblenz der Sitz des Generalkommandanten des Preußischen Rheinischen Armeekorps, August Neithardt Graf von Gneisenau. Dieser hatte gemeinsam mit Carl von Clausewitz, August von Scharnhorst, Max von Schenkendorf und Joseph von Görres vergeblich eine national-liberale preußische Staatsreform geplant, die aber vereitelt wurde.



Ab 1818 wurde Koblenz von den preussischen Militaristen zu einer der größten Festungsanlagen Europas ausgebaut und es entstanden die Festung Ehrenbreitstein, Fort Asterstein und Fort Konstantin (Karthause), sowie die Feste Franz (Lützel), deren Überreste noch heute stehen und teilweise zivil genutzt werden.

Im Koblenzer Schloss regierte schliesslich auch der preussische Kronprinz Wilhelm I. als Militärgouverneur der Rheinlande. Er wurde spöttisch "Kartätschenprinz" genannt, nachdem er 1848/49 die bürgerlichen RevolutionärInnen mit Kanonen hat niederschiessen lassen. Von hier aus schickte Wilhelm I. als König von Preußen dann 1870 seine Truppen in den Krieg gegen den "Erbfeind" Frankreich. Für den Sieg seiner Armee liess er sich dann 1871 zum Kaiser des neu gegründeten �Deutschen Reiches� krönen. In Koblenz wurde für den siegreichen Monarchen das Denkmal �Wacht am Rhein� in den Rheinanlagen errichtet.

Bald nach seinem Tod wurde auch in Koblenz 1897 ein Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm I. aufgestellt und von seinem Nachfolger Wilhelm II. eingeweiht. Dort am Dreieck der Moselmündung befand sich bereits seit 1216 eine Niederlassung des 'Deutschen Ordens' (Kreuzritter), weshalb es seitdem 'Teutsches Eck' genannt und im 19. Jahrhundert zu einem Symbol der Zugehörigkeit der moselfränkischen Gebiete zu Deutschland wurde.

Nach der proletarisch-republikanischen Novemberrevolution von 1918 und der darauf folgenden Abdankung von Kaiser Wilhelm II. waren Koblenz und das Rheinland nach dem verlorenen 'Ersten Weltkrieg' erneut unter französischer Besatzung. Die reaktionären Kräfte in der Weimarer Republik machten sich dennoch für eine Wiedereingliederung der linksrheinischen Gebiete an Deutschland stark, womit sie schließlich Erfolg hatten.

Anlässlich der Propagandafeiern zum "1000jährigen Bestehen der deutschen Rheinlande" in den Rheinanlagen wurde 1925 das "Weindorf" eingeweiht. Reichspräsident von Hindenburg hatte zu der "Befreiungsfeier" im Juli 1930 am Koblenzer Kaiserdenkmal zunächst abgesagt, um gegen das bestehende Verbot des Militaristenverbandes 'Stahlhelm - Bund der Frontsoldaten' zu protestieren. Doch nachdem das Gesetz kurzerhand abgeschafft wurde, konnte iam 'Deutschen Eck' wieder offiziell dem Kaiserdenkmal zugejubelt werden.

Das Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I. diente dann den Nationalsozialisten nach der Machtübergabe 1933 als willkommene Kulisse für ihre Propagandaaufmärsche (z.B. "Tag der Wehrmacht" und "Heldengedenktag"). Nach den Plänen des NS-Kriegsministeriums sollte der Metallklotz 1942 sogar eingeschmolzen werden, um daraus Waffen für den (ebenfalls von Deutschland begonnenen) �Zweiten Weltkrieg� herzustellen, was der Oberbürgermeister der "Gauhauptstadt Koblenz" jedoch verhinderte. Das Kaiserdenkmal wurde schliesslich 1945 von der einrückenden US-Army mit einem Panzer vom Sockel geschossen (März 1945).

Der steinerne Unterbau wurde dann 1957 als "Mahnmal zur deutschen Einheit" eingeweiht und an Stelle des Kaisers mit der bundesrepublikanischen Flagge geschmückt. Doch schon drei Jahre nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Nachkriegs-Staaten wurde 1993 eine Nachbildung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals aufgestellt. Aus Protest dagegen wurde der Denkmalssockel besetzt, die Polizei umstellte ca. 25 DemonstrantInnen und versuchte sie teilweise wegzutragen. Eine geplante bundesweite Demonstration ("Gegen Militarismus, Nationalismus und Patriarchat") war leider wegen mangelnder Beteiligung ausgefallen.

Doch es gibt in Koblenz auch heute noch genug Anlass zum Protest, denn mehrere zentrale Einrichtungen des deutschen Militärs haben hier seit Jahrzehnten ihren Sitz oder - wie es bei Armee und Wirtschaft heisst - ihren "Standort".

Kundgebung vor dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) in Koblenz

Die wichtigsten Institutionen wollen wir hier kurz vorstellen:


Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB)

Das BWB hat gleich zwei Adressen: am Konrad-Adenauer-Ufer (s. Bild) und in der Moselweißer Straße. Es ist die größte technische Behörde in Deutschland und untersteht direkt der �Hauptabteilung Rüstung� im "Verteidigungsministerium". Als zentrale Bundeswehrverwaltung organisiert das BWB die gesamte (Aus-)Rüstung der Armee:

"Die Produktpalette des Wehrmaterials reicht vom hochkomplexen Waffensystem bis zu persönlichen Ausrüstungsartikeln der Soldaten." (http://www.bwb.org)

Dass es dabei auch zu Interessenkonflikten zwischen dem Staat und dem 'militärisch-industriellen Komplex' kommen kann, zeigte 1997 die Verurteilung eines BWB-Direktors, der wohl jahrelang Bestechungsgelder für besondere Geschäftsabschlüsse angenommen hatte.

Nach der 1999 vom Bundeskabinett beschlossenen Reformen der 'Weizsäcker-Kommission' für 'Gemeinsame Sicherheit und Zukunft der Bundeswehr' fürchteten auch die BWB-Mitarbeiter um ihre Posten. Denn neben einer Neuorganisierung des "Rüstungsmanagements" war auch die Ausgliederung der BWB-'Abteilung Informationstechnik (IT)' und von Teilen der 'Abteilung Fernmeldetechnik und Elektronik (FE)' in das neue 'Bundesamt für Informationsmanagement und Informationstechnik der Bundeswehr' vorgesehen (siehe unten).

Bis zum Jahr 2006 sollen nach Angaben des "Verteidigungsministeriums" rund 19 % der 3.549 Stellen im Koblenzer Hauptsitz des BWB weggestrichen werden. Die Stellenkürzung soll angeblich sozial verträglich durch den üblichen Personalwechsel umgesetzt werden. Dennoch demonstrierten im August 2002 einige BWB-BeamtInnen auf dem Jesuitenplatz gegen die "konzeptlose Bundeswehrreform - für einen angemessenen Wehretat". Anstatt Teile der Bundeswehrverwaltung zu privatisieren, verlangten sie eine "interne Optimierung". Sie fürchten, dass die Bundesregierung plane, das Personal des BWB bis zum Jahr 2006 um 47 % abzubauen, wobei rund 2.000 Stellen in andere Bereiche der Bundeswehr verlagert werden und 800 Posten ersatzlos wegfallen sollen.

Trotz aller Sparmassnahmen hat das BWB aber anscheinend genug Geld zu verschenken, denn es vergibt den mit 31.000 Euro dotierten 'Werner-Hahlweg-Preis für Militärgeschichte und Wehrwissenschaften'. Und auch historisches Kriegsmaterial wird beim BWB in Ehren gehalten: Mit 7.200 qm Ausstellungsfläche gehört die 'Wehrtechnische Studiensammlung (WTS)' zu den großen Techniksammlungen in der BRD. Gegründet 1962, hat sie seit 1982 ihren Sitz in der Mayener Straße (Lützel) (http://www.bwb.org/Organisation/WTS/).

Die Sammlungsschwerpunkte sind: Handfeuer- und Maschinenwaffen, Artillerietechnik, Munition, Fernmelde-Elektronik und optisches Gerät, Flugkörper, Panzerabwehrwaffen, Rad- und Kettenfahrzeuge, Luftfahrzeug- und Marinetechnik, Pionier- und Bergetechnik, aber auch Uniformen und Ausrüstung und eine militär-technische Fachbibliothek - also alles, was eine Armee zum Töten braucht.



Und damit dieses historische Wissen auch in der aktuellen Praxis angewendet werden kann, gibt es das:


Heeresführungskommando

Das Heeresführungskommando ist mit seinen ca. 100.000 unterstellten SoldatInnen der stärkste Kommandobereich der deutschen Armee. Es hat seinen Sitz in der Falckensteinkaserne (Lützel). Seit der Bundeswehrstrukturreform unterstehen ihm nun unmittelbar die neuen sieben Divisionen und das Heerestruppenkommando. Im März 2002 wurde dieses Kommando neu eingerichtet und besteht aus sechs Brigaden mit rund 25.000 SoldatInnen der Kampfunterstützungs- und Logistiktruppen.

Das Heeresführungskommando koordiniert die Auslandseinsätze der Bundeswehr bzw. die deutschen Anteile multinationaler Heeresstäbe (NATO und EU), die dann vom Einsatzführungskommando in Potsdam umgesetzt werden.

Doch einige der für die Auslandseinsätze zuständigen SoldatInnen der Bundeswehr haben ihren "Standort" nicht mehr in Koblenz: Die seit 1982 in der Koblenzer Rheinkaserne stationierte Luftlandepionierkompanie 260, die zu den "Krisenreaktionskräften" des deutschen Heeres gehört, ist im Dezember 1994 nach Saarlouis verlegt worden. Und das (erst 1995 nach Koblenz verlegte) Heeresunterstützungskommando , zuständig für die logistische Unterstützung der Auslandseinsätze des Heeres, wurde im März 2003 aufgelöst.

Die zu Zeit im Ausland aktiven Einheiten werden jedoch weiterhin vom Heeresführungskommando in Koblenz befehligt. So reiste z.B. der neue Kommandeur des Heeresführungskommandos, Generalmajor Axel Bürgener, direkt nach seiner Amtseinführung nach Prizren (Kosovo), um die rund 4.700 SoldatInnen des deutschen KFOR-Kontingents auf dem Balkan zu besuchen.

Bei seiner Kriegsführung in aller Welt bezieht sich das Heeresführungskommando auch durchaus positiv auf die deutsche Militärtradition, wie z.B. auf den ehemaligen NS-Wehrmachtsoffizier Ulrich de Maiziere. Er gilt als einer der "Gründungsväter" der Bundeswehr und war bis 1972 Generalinspekteur der westdeutschen Streitkräfte. Auf Einladung des Heereführungskommandos hielt de Maiziere im Oktober 1995 den offiziellen Festvortrag zum 40. Jahrestag der Gründung der Bundeswehr ("Wiederbewaffnung").

Doch auch ausländische Waffenbrüder sind beim Heeresführungskommando gern gesehen. Zum Beispiel war im September 1994 der Oberbefehlshaber der japanischen Landstreitkräfte, Generalleutnant Hikura Tomizawa, zu einem "Informationsaustausch" angereist.

Einen anderen Blick auf die deutsche Militärtradition hatte sicherlich der Präsident des israelischen Militärgerichtshofs, Generalmajor Ben-Zion Farhi, der im Oktober 1995 das Koblenzer Heeresführungskommando besuchte. Das zentrale Gesprächsthema mit dem 'Stellvertretenden Kommandierenden General' war nämlich die "Rechtspflege" in der Bundeswehr, die dem Israeli besonders im Zusammenhang mit den zunehmenden Auslandseinsätzen der Bundeswehr Sorgen bereitete.



Dass die Bundeswehr auch mit Wehrpflichtigen und BerufssoldatInnen noch eine Armee aus "Staatsbürgern in Uniform" bleibt, darum bemüht sich das:


Zentrum Innere Führung

Diese "zentrale Weiterbildungsstätte der Streitkräfte für Führungskräfte aller Ebenen" hat seit 1957 ihren Sitz in der Von-Witzleben-Straße auf der Pfaffendorfer Höhe. Ihr unterstehen insgesamt elf weitere Bundeswehrdienststellen. Mit einem 'Tag der offenen Tür' eröffnete im Oktober 2000 das zehn Jahre lang umgebaute 'Zentrum Innere Führung' seine neugestalteten Gebäude. Seit 2001 werden dort als propagandistischer Beitrag zu der politisch-historischen Bildung regelmässig so Ausstellungen gezeigt, wie "Die Aufbauphase der Bundeswehr" (www.zentruminnerefuehrung.de). Wortgewaltig geschult, beschreibt das 'Zentrum Innere Führung' seine Entstehungsgeschichte so:

"Angesichts des Erbes, das der deutsche Militarismus, Reichswehr und Wehrmacht hinterlassen hatten, sowie der antimilitärischen Einstellung der Mehrheit der Bevölkerung, hatte nur ein militärischer Neubeginn unter den Vorzeichen einer seit Jahren bestehenden pluralistisch ausgerichteten, parlamentarischen Demokratie als Antwort auf die deutsche Militärgeschichte Aussicht auf Erfolg."

Und damit die Rekruten der Nachkriegs-Bundeswehr auch brav lernten, warum sie denn den Privatkapitalismus gegen den Staatkapitalismus verteidigen sollten, brauchte es wohl pädagogische Führung - hin zu einem "freien Menschen, guten Staatsbürger und vollwertigen Soldaten". Zu diesem Zweck wird seitdem Propagandamaterial zur politischen Bildung und "Menschenführung" herausgegeben, denn:

"Jeder Soldat muss wissen und verstehen, wofür er ausgebildet und gegebenenfalls eingesetzt wird. Er soll überzeugt sein, dass sein Auftrag politisch notwendig, militärisch sinnvoll, moralisch und rechtlich begründet ist."

Staatsbürgerkunde und "Völkerrecht" dienen als reale Grundlage um weltweit Kriege zu führen und gewinnen zu können.

Ein 'Arbeitskreis Rechtsextremismus' versucht ausserdem "das Problembewusstsein zur Vermeidung rechtsextremistischen Fehlverhaltens in der Bundeswehr zu erhalten und zu stärken."

Und das scheint wirklich nötig zu sein, denn nach mehreren Skandalen um Neonazis in der Bundeswehr sorgte sich im Januar 1998 sogar der 'Inspekteur des Heeres' um die Moral der Truppe und informierte sich im 'Zentrum Innere Führung' über mögliche "Strategien gegen rechtsextremistische Tendenzen in der Bundeswehr". Und ausgerechnet am 50. Jahrestag der "Reichspogromnacht" machte am 9. November 1998 der Lahnsteiner Rudolf Scharping (SPD) seinen Antrittsbesuch als "Verteidigungsminister" im 'Zentrum Innere Führung'. Dort und auch beim Heeresführungskommando argumentierte er, dass die Wehrpflicht unbedingt erhalten bleiben müsse, damit "rechtsradikale Tendenzen in der Bundeswehr" verhindert werden können.

Aber die Bundeswehr hat mittlerweile den Auftrag Demokratie und Frieden mit militärischen Mitteln in die ganze Welt zu tragen. Daher lädt das 'Zentrum Innere Führung' gerne auch mal Militärführer anderer Staaten ein. So kam 1993 beispielsweise der rumänische "Verteidigungsminister" Nicolae Spiroiu zu Besuch nach Koblenz, nachdem er mit seinem deutschen Amtskollegen ein Abkommen über Ausbildungshilfe für die rumänische Armee unterschrieben hatte. Und im März 1997 informierten sich zwei Stabsoffiziere der albanischen "Verteidigungsakademie" in Tirana über die Arbeit des 'Zentrum Innere Führung', ebenso wie sich einige Monate später der ehemalige russische Präsidentschaftskandidat und General a. D., Alexander Lebed dort über Aufgaben und Struktur der Bundeswehr beraten liess.

Im Juni 2001 fand schliesslich im 'Zentrum Innere Führung' die erste Kommandeurtagung der "Streitkräftebasis" der Bundeswehr statt. Diese wird seit Oktober 2000 aufgebaut und ihr wird unter anderem das neue 'Bundeswehr-Personalamt für Unteroffiziere und Feldwebel' in Koblenz unterstellt sein.

Doch das deutsche Personal der Bundeswehr im Ausland und auch ihre Daheim- und Hinterbliebenen müssen betreut werden, damit ihnen nicht die Einsatzfreude vergeht: Im Juni 1999 empfing der 'Generalinspekteur der Bundeswehr' im 'Zentrum Innere Führung' 30 Mütter von KFOR-SoldatInnen, die sich derzeit auf "Friedensmission" in der ehemals jugoslawischen Republik Kosovo befanden.

Schliesslich erkundigte sich sogar Bundespräsident Johannes Rau (SPD) 2001 auf der Pfaffendorfer Höhe über die psychologische Betreuung von SoldatInnen der deutschen "Krisenreaktionskräfte" auf dem Balkan.

Werden die BundeswehrsoldatInnen im Einsatz verwundet, dann übernimmt ihre medizinische Betreuung u.a. das:


Bundeswehrzentralkrankenhaus

in der Rübenacher Straße (http://www.bwzk.uni-mainz.de). Das Bundeswehrzentralkrankenhaus ist nämlich grundsätzlich für die medizinische Versorgung der SoldatInnen der Bundeswehr und verbündeter ausländischer Streitkräfte zuständig. Das Lazarett wurde zwischen 1952 und 1955 von französischen Alliierten erbaut und erhielt zunächst den Namen 'André Curtillat-Lazarett'. Erst 1957 übernahm die neugegründete Bundeswehr dieses Militärhospital, das 1962 in Bundeswehrzentralkrankenhaus umbenannt wurde. Das Kommando über das Krankenhaus bekam im November 2001 Dr. Verena von Weymarn.

Im Oktober 1997 feierte das Bundeswehrzentralkrankenhaus sein 40-jähriges Bestehen. Mit 17 klinischen Fachabteilungen verfügte es damals insgesamt über 497 Betten, und von 1.300 Angestellten waren 860 zivile Kräfte. Doch der Krankenhausbetrieb will deren Arbeitsaufkommen erhöhen: Der Ausbau der Abteilung für Herzchirurgie soll nämlich eine "Leistungssteigerung" von 560 Operationen auf 900 Operationen pro Jahr ermöglichen. Die PatientInnen der Herzchirurgie kommen zu 85 % aus der Zivilbevölkerung, was eine weitere Einkommensquelle für das Bundeswehrzentralkrankenhaus darstellt.

Doch auch die militärische Bestimmung wird dort nicht vernachlässigt. Im Mai 1998 diskutieren in Koblenz sechzehn SanitätsoffizierInnen aus zwölf NATO-Staaten über das Thema Notfallmedizin und, wie die Ausbildung auf diesem Gebiet vereinheitlicht werden könne. Bei dieser Gelegenheit wurde den Gästen das neue Lazarett der Krisenreaktionskräfte vorgestellt, das dem Bundeswehrzentralkrankenhaus angegliedert wurde.

Erst im März 2002 wurden fünf deutsche und ein dänischer Soldat ins Koblenzer Lazarett der Krisenreaktionskräfte verlegt, weil sie bei der Explosion einer russischen Luftabwehrrakete in der afghanischen Hauptstadt Kabul schwer verletzt wurden.

Angeblich damit die Bundeswehr-ärtzInnen für solche Notfallein-sätze gründlich ausgebildet werden, arbeitet das Bundeswehrzentralkrankenhaus seit Mai 2001 enger mit dem �Städtischen Klinikum Kemperhof� zusammen. Bis 2005 soll es eine Kooperation nicht nur auf dem Gebiet der Nuklearmedizinen, sondern auch in der Frauen- und Kinderheilkunde geben. Davon versprechen sich die beiden Krankenhäuser gegenseitig wirtschaftliche Vorteile
(mehr dazu in unserem Flugblatt "Krankenhäuser - Handlanger für den nächsten Krieg?",
http://anarchosyndikalismus.org/bwzk.htm
)

Koblenz:  Demonstration gegen den Irak-Krieg 2003


Umstrukturierung von Bundeswehr und "Zivilgesellschaft"

Im Januar 2001 gab "Verteidigungsminister" Scharping (SPD) bekannt, dass im Rahmen der Reform der Bundeswehr geplant ist, die auch die "Standorte" der folgenden Koblenzer Bundeswehr-Einheiten aufzulösen:

- Stabsfernmelderegiment 310
- Topographiebatterie 900 (Falckenstein-Kaserne)
- Panzergrenadierbataillon 342 (Gneisenau-Kaserne)
- Heeresunterstützungskommando (Rhein-Kaserne).

Bis 2006 soll die Zahl der "Dienstposten" von 10.600 auf 9.200 reduziert werden, wobei Koblenz die größte deutsche Garnisonstadt bleibt, auch wenn die Zahl der SoldatInnen und Zivilangestellten bereits von rund 20.000 (1989) um die Hälfte reduziert wurde.

Zu den derzeit im Stadtgebiet stationierten Verbänden und Dienststellen sollen bis 2005 neue Institutionen hinzugekommen sein:

- Heerestruppenkommando
- Sanitätsführungskommando
- �Personalamt für Unteroffiziere und Feldwebel'
- 'Amt für Informationstechnologie' (IT-Amt der Bundeswehr).


Bundesamt für Informationsmanagement
& Informationstechnik der Bundeswehr


Die Stadt Koblenz, die sich gerne als "IT.Stadt" sehen würde, kann sich freuen: Im Jahr 2002 hat die Bundeswehr beschlossen am "Standort" Koblenz eine neue Bundesbehörde einzurichten: das 'Bundesamt für Informationsmanagement und Informationstechnik' (IT-Amt). Mit rund 1.400 Posten ist es mit der Entwicklung und Koordination der Informations- und Kommunikationstechniken der Armee betraut. Das IT-Amt hat auf dem Gelände des 'Bundesamts für Wehrtechnik und Beschaffung' (BWB) im Rauental und in der Gneisenau-Kaserne (Pfaffendorfer Höhe) seine Tätigkeit aufgenommen. Die neugeschaffene Bundesoberbehörde ist zentral für die Informationstechnik der Bundeswehr zuständig.


Kompetenzzentrum Informationstechnologie

Ausserdem hat die Bundeswehr in Koblenz auch ein 'Kompetenzzentrum für Informationstechnologie' (KIT) eingerichtet, wo Bundeswehrangehörige und Zivilangestellte in Softwareanwendungen, wie SAP 3, geschult werden. Im September 2001 hat das neue 'Kompetenzzentrum Informationstechnologie' (KIT) seinen Lehrbetrieb in der Schlossstraße eröffnet. Dort schulen Bundeswehr und Privatwirtschaft gemeinsam SoldatInnen und zivile MitarbeiterInnen der Armee und des 'Bundesamts für Wehrtechnik und Beschaffung' (BWB) in den verschiedensten Bereichen der Informationstechnologie.

Die Industrie- und Handelskammer Koblenz hatte im Juni 2000 gemeinsam mit der Bundeswehr und weiteren zwölf Unternehmen und Institutionen aus dem Raum Koblenz diese "IT-Akademie" gegründet. Dort werden 500 Schulungsplätze in 300 verschiedenen Bildungsgängen angeboten, die dem Mangel an EDV-Fachkräften in der Region abhelfen sollen.

Aber die Bundeswehr bildet auch selbst aus, so unter anderem in der Koblenzer Bundeswehrfachschule, wo rund 350 ZeitsoldatInnen von insgesamt 45 Lehrkräften unterrichtet werden. Den SoldatInnen sollen damit verschiedene Berufsabschlüsse im Rahmen des Soldatenversorgungsgesetzes ermöglicht werden. Viele LehrgangsteilnehmerInnen, die von auswärts anreisen, wohnen in dem angegliederten Internat in der Boelcke-Kaserne.


Beratungszentrum Bundeswehr/Handwerk

Die Koblenzer Handwerkskammer (HwK) hat im September 2002 beschlossen ein neues Wehrdienstberatungsbüro der Bundeswehr am Friedrich-Ebert-Ring zu eröffnen. Diese Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Handwerkskammer soll der Unterstützung ehemaliger ZeitsoldatInnen dienen, die in allen Fragen der Wiedereingliederung in einen Zivilberuf beraten werden. Darüber hinaus bietet das Wehrdienstberatungsbüro der HwK eine "konkurrenzfreie Nachwuchsgewinnung", sowie Beratung über die Arbeit für HandwerkerInnen bei der Armee.

Das �Beratungszentrum Bundeswehr/Handwerk bei der HwK Koblenz� ist ein zivil-militärisches Projekt für den 'Wehrbereich II' (Rheinland-Pfalz, Saarland, Nordrhein-Westfalen und Hessen). Seit 1999 ist es im Auftrag des "Verteidigungsministeriums" dazu da, um HandwerkerInnen einen einen "beruflichen Aufstieg durch den Dienst in der Bundeswehr" zu ermöglichen.

Ehemalige ZeitsoldatInnen werden zu Selbstständigen, UnternehmerInnen oder leitenden Fach- und Führungskräfte in ihrem Beruf
(http://www.y-berholspur.de).

Für solche Vermittlungsdienste wurde im Dezember 2002 der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Koblenz, Karl-Jürgen Wilbert, vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) mit dem 'Großen Verdienstkreuz der BRD' ausgezeichnet. Er wurde damit unter anderem für seine Zusammenarbeit mit der Bundeswehr geehrt.

Koblenz: demo gegen den Irak-Krieg 2003


Standort-Dienstleistungen nach der Bundeswehrreform

Auch in den Augen der Stadt Koblenz stehen die Wirtschaftsförderung und die "Standort-Dienstleistungen" im Vordergrund und darauf ist man stolz:
"Dienstleistungen haben am Standort Koblenz Tradition. Das Oberzentrum mit seinen heute ca. 108.000 Einwohnern ist seit Jahrhunderten nicht nur bevorzugter Handelsplatz, sondern auch Verwaltungssitz und Standort zentraler Einrichtungen der Bundeswehr."

Und diese rund 90 Bundes- und Landesbehörden sind seit der Wiedervereinigung 1990, dem Berlin-Umzug und vor allem seit der Reform der Bundeswehr im Wandel:

"Die Konversion bietet der Stadt Koblenz eine historische Chance, die durch die Truppenreduzierung freiwerdenden innerstädtischen bzw. stadtnahen Flächen jetzt als weiteren Raum für neue unternehmerische Aktivitäten zu entwickeln." (http://www.koblenz.de)

So hat sich z.B. ein 'Arbeitskreis Wohnen, Stadtgestaltung, Verkehr' u.a. zum Ziel gesetzt, die nach dem Truppenabzug freiwerdenden Bundeswehranlagen Wohnraum oder "dem Wohnen dienende Infrastruktur" nutzbar zu machen.

Als Vorbild für rechtsrheinische Grundstücke, die kleingewerblich genutzt werden könnten, dienen der 'Gewerbepark Metternich II', der 'Technische Bereich Ost' (Fritsch-Kaserne), sowie Teile der Gneisenau-Kaserne (Pfaffendorfer Höhe). Aber noch sind nicht alle Flächen von der Bundeswehr freigegeben, aber die Beratungen mit der Kommunalpolitik gehen weiter.

Die zivil-militärische Zusammenarbeit nimmt dabei verschiedene Formen an: Zum Beispiel wurde 2002 in der Koblenzer Rhein-Kaserne das bundesweit dritte "Mobilitätscenter" der privatwirtschaftlichen Firma 'BwFuhrparkService GmbH' gegründet. Als Autovermietung solle das "Mobilitätscenter" Fahrzeuge jeder Anzahl und Art kurz- oder langfristig vermieten, aber nicht an Privatkunden, sondern für die Bundeswehr.

Bis 2004 soll die privatisierte 'BwFuhrpark Service GmbH' über 20.000 Neufahrzeuge verfügen und bis 2008 eine Milliarde Euro im Verteidgungshaushalt einsparen. Nach Bedarf sollten auch kostengünstige zivile FahrerInnen eingesetzt werden, wozu auch ehemalige BundeswehrsoldatInnen übernommen werden sollen.

Doch mittlerweile wurden solche "Pilotprojekte" der Zusammenarbeit der Armee mit der Privatwirtschaft, die keinen finanziellen Erfolg brachten, auch schon wieder eingestellt. Dazu gehört auch die marktorientierte Verwertung der Bundeswehrgelände, das 'Neue Liegenschaftsmanagement' (NLM). Die für Anfang 2003 vorgesehene Firmengründung wurde von "Verteidigungsminister" Struck (SPD) ausgesetzt.

Aber auch in anderen Bereichen arbeitet die Bundeswehr eng mit zivilen Einrichtungen zusammen. So wurde im Dezember 2001 das neue 'Notfallforum Koblenz' (NFK) der Öffentlichkeit vorgestellt. Es hat zum Ziel die Zusammenarbeit von Behörden, Institutionen und Krankenhäusern, die mit der Notfallrettung in Koblenz und Umgebung befasst sind, zu verbessern. Konkret handelt es sich bei dem 'Notfallforum' um eine Kooperation des Bundeswehrzentralkrankenhauses mit den folgenden Einrichtungen:

- 'Städtisches Klinikum Kemperhof'
- rheinland-pfälzische Feuerwehr- und Katastrophenschutzschule (Asterstein)
- Berufsfeuerwehr Koblenz
- 'Deutsches Rote Kreuz' Koblenz


Zentrales Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr

Im März 1998 teilte das Verteidigungsministerium mit, dass das 'Zentrale Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr' in Koblenz künftig nicht mehr den Namen von Ernst Rodenwaldt tragen soll. Es schien sich endlich der Verdacht zu bestätigen, dass der Hygieniker und Militärarzt (zumindest) Kenntnis von den Menschenversuchen der Nazis gehabt habe.

Dass der Name ausgerechnet wenige Monate vor der 40-Jahr-Feier des Instituts abgeschafft wurde, mag kaum ein Zufall sein. Das 1959 vom "Verteidigungsministerium" gegründete 'Hygienisch-Medizinische Institut' beschäftigte in seiner Zentrale in der Viktoriastraße rund 200 Männer und Frauen und ist nun in die ehemalige Rheinkaserne (Andernacher Str.) umgezogen.


Militärmusik-Festivals

Ausgerechnet am Antikriegstag, dem Jahrestag des Angriffs der NS-Wehrmacht auf Polen 1939, fand am 1. September 2001 im Station Oberwerth das '1. Europäische Militärmusik-Festival' statt. 400 MusikerInnen in Uniform spielten vor mehr als 10.000 Gästen einen "bunten Querschnitt durch die europäische und amerikanische Militärmusik". Die Gewinne der Veranstaltung gingen an den 'Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge� für seine Aktivitäten in Osteuropa.

Bereits anlässlich der 2000-Jahr-Feier der Stadt Koblenz fand im Stadion Oberwerth das '1. internationale Militärmusik-Festival' statt.

Ein weiteres öffentliches Auftreten der deutschen Armee ist - neben den Spendensammlungen für die 'Kriegsgräberfürsorge' - das jährliche Gedenken an die in den zahlreichen deutschen Kriegen "gefallenen" SoldatInnen. Wichtig für den Totenkult der Bundeswehr sind nicht nur die nach NS-Wehrmachtsoffzieren benannten Kasernen, sondern auch Denkmäler auf städtischen Friedhöfen.

Ehrenmal des deutschen Heeres auf der Festung Ehrenbreitstein


Ehrenmal des Heeres

Es entstand nachdem 1961 durch die 'Berliner Mauer' ("Antifaschistischer Schutzwall") den Westdeutschen der Zugang zu ihrem alten "Ehrenmal für die im Kriege Gefallenen" in der 'Neuen Wache' ('Unter den Linden') versperrt wurde. Das neue "Ehrenmal" wurde durch Spenden finanziert und im Oktober 1972 auf der Festung Ehrenbreitstein enthüllt und der Bundeswehr übergeben. Schirmherr ist der 'Inspekteur des Heeres', dem das 'Kuratorium Ehrenmal des Deutschen Heeres' beisteht. Die Aufgabe dieses Kuratoriums ist die "Errichtung und Unterhaltung des Ehrenmals zur Erinnerung an die Opfer und Leistungen [!] deutscher Heeressoldaten".

In einer Nische im Hauptgraben zwischen den Befestigungsmauernliegt eine Steinskulptur eines jungen, toten Soldaten mit Stahlhelm. Dazu lautete die Inschrift:
"Den Toten des Deutschen Heeres 1914-1918 + 1939-1945 / ihr Vermächtnis: Frieden".

Das "Ehrenmal" wurde jedoch später umgestaltet indem oberhalb der Nische ein 'Eisernes Kreuz' eingearbeitet und die Inschrift verkürzt wurde ("Den Toten des Deutschen Heeres"). Es gilt nun auch für die Toten der Bundeswehr. Jedes Jahr findet dort zum "Volkstrauertag" eine Gedenkveranstaltung für "gefallene", vermisste und dienstlich verstorbene Bundeswehr-SoldatInnen statt. Daran nehmen auch Soldaten- und Traditionsverbände von Wehrmacht und Bundeswehr teil, sowie Abordnungen der verbündeten Streitkräfte in Deutschland.

So gedachten z.B. 1998 Bundeswehr und ZivilistInnen in einer Feierstunde ihrer Toten der beiden Weltkriege, bevor in der Rhein-Mosel-Halle die Rheinische Philharmonie' unter der Schirmherrschaft des Heeresführungskommandos die Uraufführung der Sinfonie "Letzte Briefe aus Stalingrad" (A. Lemeland) spielte.

Aber auch der Schlossplatz der Festung Ehrenbreitstein ist gelegentlich Aufmarschplatz für die Militärs, wie z.B. im September 1999 beim 'Großen Zapfenstreich'.


Verweigert den Kriegsdienst!
Gemeinsam gegen Militarismus und Nationalismus!
Nie wieder Krieg!



Allgemeines Syndikat Koblenz der FAU-IAA
(libertäre Gewerkschaftsinitiative)
Postfach 20 10 06
56010 Koblenz

askoblenz@anarchosyndikalismus.org
fauko@fau.org
http://anarchosyndikalismus.org/koblenz.htm



Die Broschüre basiert hauptsächlich auf Informationen aus der Koblenzer Stadtchronik (http://www.koblenz.de).